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Die Geschichte des Snowboardens

Ein Spielzeug im Schnee

Es begann nicht als Sport. Im Jahr 1965 schraubte Sherman Poppen im amerikanischen Bundesstaat Michigan zwei Kinderskier zusammen, befestigte ein Seil am vorderen Ende und ließ seine Tochter damit einen Hang hinuntersurfen. Er nannte das Ding Snurfer — eine Zusammensetzung aus Snow und Surfer. Poppen lizenzierte die Idee an Brunswick Corporation, und bis 1970 hatten sich mehr als eine Million Snurfer verkauft. Sie galten als Spielzeug, nicht als Sportgerät, und kein einziges Skigebiet nahm sie ernst.

Der entscheidende nächste Schritt kam von zwei Männern, die wenig voneinander wussten. Demetre Milovich, ein Surfer aus Utah, entwickelte Mitte der 1970er Jahre den Winterstick — ein Board, das deutlich mehr nach einem modernen Snowboard aussah: breit, flexibel, mit metallenen Kanten. Zur gleichen Zeit arbeitete Jake Burton Carpenter in Vermont an seinem eigenen Design. Burton, ein junger Snowboard-Enthusiast, der als Teenager Snurfer gefahren hatte, gründete 1977 Burton Boards. Seine frühen Modelle hatten Bindungen, die die Kontrolle drastisch verbesserten. Das trennte sie grundlegend vom Snurfer und machte echtes Fahren auf anspruchsvollen Hängen möglich.

Kampf um Zugang zur Piste

Die frühen Snowboarder stießen auf Ablehnung, wo immer sie hinführen. In den 1980er Jahren verboten die meisten nordamerikanischen und europäischen Skigebiete das Snowboarden ausdrücklich. Die Begründungen variierten: Sicherheitsbedenken, schlechte Pistenpflege durch die breiten Boards, ein diffuses Unbehagen gegenüber der Kultur, die sich um den neuen Sport entwickelte. In den USA waren um 1985 noch rund 90 Prozent aller Skigebiete für Snowboarder gesperrt.

Das änderte sich langsam, meist unter wirtschaftlichem Druck. Stratton Mountain in Vermont, eines der ersten größeren Resorts, das Snowboarder willkommen hieß, sah bereits früh, dass die junge Generation in Scharen auf die Boards wechselte. Wer sie abwies, verlor Gäste. Gleichzeitig organisierten die Snowboarder selbst Veranstaltungen und demonstrierten, dass ihr Sport regelbar und vertretbar war. Nationale Verbände entstanden, Wettkämpfe wurden strukturiert, und das Bild des unkontrollierbaren Wildgängers auf dem Board begann sich aufzulösen.

Die Westküste und der Halfpipe-Boom

Während Burton das Marktfundament legte, entwickelte sich an der amerikanischen Westküste und in den Alpen eine eigenständige Boardkultur. Tom Sims aus Kalifornien, selbst ein Ex-Skater, baute Boards, die näher an der Skateboard-Ästhetik lagen, und zog eine Generation an, die mit Rampen und Parks aufgewachsen war. Die Halfpipe, aus dem Skateboarden übernommen und in den Schnee übertragen, wurde zum Symbol dieser Szene.

Die ersten Snow-Halfpipes entstanden Mitte der 1980er Jahre in Resorts wie Soda Springs in Kalifornien und Breckenridge in Colorado. Rider begannen, Tricks zu entwickeln, die der Schwerkraft zu spotten schienen: McTwists, Corkscrew-Rotationen, Indy Grabs. Namen wie Craig Kelly, Terje Haakonsen und später Shaun White definierten, was in einer Pipe möglich war. Kelly, ein Kanadier aus Vernon, BC, dominierte den frühen Wettkampfzirkus und wurde durch seinen Freifahrstil außerhalb der Wettbewerbe zur vielleicht einflussreichsten Figur der Snowboardgeschichte.

Der FIS übernimmt — nicht ohne Reibung

Als der Sport in den frühen 1990er Jahren populär genug war, um in den Kalender der Olympischen Winterspiele aufgenommen zu werden, stellte sich die Frage der Governance. Der Internationale Skiverband FIS erklärte sich zuständig. Die Entscheidung war umstritten: Viele Rider, darunter der Norweger Haakonsen, lehnten es ab, unter dem Dach eines Skiverbands zu konkurrieren, und boykottierten die Olympischen Spiele 1998 in Nagano. Die FIS-Boarder galten in Teilen der Szene als Ausverkäufer, wogegen eine eigenständige Organisation, die World Snowboard Federation (WSF), eigene Wettkampfserie veranstaltete.

In Nagano gewann der Kanadier Ross Rebagliati das erste olympische Snowboard-Gold im Riesenslalom. Er wurde zunächst disqualifiziert — ein positiver Marihuanatest — und nach Einspruch wieder reingewaschen. Es war eine Episode, die zeigte, wie weit die Boardkultur und die olympische Welt noch voneinander entfernt waren.

Snowparks, Slopestyle und die industrielle Reife

Im neuen Jahrtausend veränderte das Snowboarden das Gesicht der Skigebiete. Snowparks mit Kickers, Rails, Boxes und Pipeformationen wurden zum festen Bestandteil großer Resorts. Whistler Blackcomb in British Columbia, Les Deux Alpes in Frankreich, Laax in der Schweiz — alle investierten massiv in Parkinfrastruktur, weil die Zielgruppe junger Fahrer diese Features als selbstverständlich erwartete.

Der Slopestyle-Wettbewerb, bei dem Boarder über einen Kurs aus verschiedenen Hindernissen fahren und bepunktete Tricks landen, wurde 2014 in Sotschi olympische Disziplin. Slopestyle und Halfpipe zusammen repräsentieren das, was die breite Öffentlichkeit unter Snowboarden versteht: Luftsprünge, Drehungen, spektakuläre Stürze. Die Snowboard-Crossdisziplin, bei der vier Fahrer gleichzeitig über einen Kurs mit Steilkurven und Sprüngen rasen, ist die dritte olympische Spielform und folgt einem anderen Reiz — dem direkten Duell.

Alpine Disziplinen im Schatten

Was in der Öffentlichkeitswahrnehmung kaum ankommt, aber im Weltcupkalender prominent platziert ist: alpines Snowboarden. Parallel-Riesenslalom und Parallelslalom verlangen hohe technische Präzision, metallene Kanten und einen athletischen Carving-Stil, der dem alpinen Ski nähersteht als der Halfpipe. Boarder wie Nevin Galmarini aus der Schweiz und Ramona Hofmeister aus Deutschland sind in dieser Nische internationale Größen, ohne je die Medienpräsenz der Park-Rider zu erreichen. Das alpine Segment ist klein, hat aber eine treue Fangemeinde, die die technischen Möglichkeiten des Carving-Boards schätzt.

Das Splitboard und die Rückkehr zum Berg

Die jüngste Entwicklung schließt den Kreis zum freien Fahren. Das Splitboard — ein Snowboard, das sich in zwei schmale Ski teilen lässt — erlaubt das Aufsteigen mit Fellen und das anschließende Zusammensetzen für die Abfahrt. Es wurde schon in den frühen 1990er Jahren konzipiert, erlebte aber erst im vergangenen Jahrzehnt einen Boom, parallel zum allgemeinen Wachstum des Backcountry- und Tourensports. Heute teilen sich Snowboarder und Tourenskifahrer dieselben Routen, dieselbe Sicherheitsausrüstung und dieselbe Leidenschaft für unberührten Schnee.

Shaun White trat 2022 in Peking ab, Terje Haakonsen fährt bis heute, und eine neue Generation sucht ihren eigenen Ausdruck. Der Sport ist voll in den Mainstream integriert und gleichzeitig nie ganz domestiziert worden — das macht einen Teil seines Reizes aus.

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